Reisetagebuch – Rhein Großstadtflair & Windmühlen ab Duisburg

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Neue Städte entdecken, die vorbeiziehende Landschaft genießen und unterwegs besondere Momente sammeln: Diese Reise entlang des Rheins ab Duisburg bietet die perfekte Mischung aus Entspannung und Entdeckungen. Im Reisetagebuch sind die schönsten Erlebnisse der sechs Tage festgehalten.
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Tag 1 – Duisburg

Als ich letzte Woche meinen Schnapszahlgeburtstag gefeiert hab, hat mir mein Bruno eine Flusskreuzfahrt geschenkt. Wir reisen viel, aber das haben wir noch nie gemacht. Fünf Nächte nordwärts, zum Reinschnuppern, mit unseren besten Freunden. 

Wir sind mit Jutta und Georg von Bremens Hauptbahnhof los und waren nach drei Stunden und viel Geplauder in Duisburg. Ein Taxi zum Hafen und rauf auf die A-ROSA AQUA.

A-ROSA AQUA. Meine Herren, ein tolles Schiff. Alles schön geräumig, hell und freundlich. Und das Personal – aus aller Welt und immer ein Lächeln parat. 

In unserer Kabine hab ich das Fenster geöffnet, mich aufs Bett gesetzt und die Flussluft eingeatmet. Von draußen grüßten die Hafenspeicher von Duisburg. Ein herrliches Gefühl des Ankommens. Wie nach Hause kommen und zugleich weit weg vom Alltag sein. Bruno war am Auspacken, aber ich wollte erst diesen Moment genießen.  

Zum Abendessen haben wir vier uns einen Tisch am Fenster gesucht. Logenplätze fürs Ablegen. Am Buffet scherzte Bruno: „Kein Kaviar?” Tja, das war wohl auch das Einzige, was es hier nicht gab. Das reinste Schlaraffenland. Und wir essen so gern. Am Tisch schenkte man uns Rotwein ein, und wir stießen auf das Glück zu reisen an. Draußen zogen vergessene Industrielandschaften vorbei, die milde Frühlingssonne beleuchtete die Fassaden und aus der Stadt wurde weite Natur. 

Später, in der Lounge, haben wir bei Musik und Cocktails gemeinsame Erinnerungen ausgegraben. Ruhestand hin oder her – wann hat man schon so entspannt Zeit für seine Freunde? Apropos Schnapszahlgeburtstag: War eine gute Idee, das zusätzliche Getränkepaket zu buchen. Da rechnet man nicht ständig im Kopf, bezahlt eine feste Summe und genießt alles, was auf der Karte steht und schmeckt. So wie heute mein Mai Tai. 

Luftaufnahme der Mercatorinsel an der Mühlenweide in Duisburg am Rhein. Wege und Grünflächen liegen zwischen Hafenbecken und Fluss, Brücken verbinden die Ufer.

Tag 2 – Rotterdam

Dass nachts aufwachen so romantisch sein kann. Ich bin leise aufgestanden, hab die Tür zum Balkon geöffnet und mich rausgelehnt. Mondlicht auf dem Rhein und über den weiten Auen. Alles still, nur das Plätschern am Schiffsrumpf. Die Natur so nah. Herrlich!

Beim Frühstück erzählte ich Bruno und unseren Freunden davon. Sie meinten, wir sollten uns in der nächsten Nacht auf dem Sonnendeck verabreden. Dann komme noch der Sternenhimmel hinzu. Und während wir darüber lachten, erschien im Fenster die Skyline unserer nächsten Stadt. Wolkenkratzer ragten in den Himmel, wo keine Wolken waren. Nur Blau. Dazu eine riesige weiße Seilbrücke. Rotterdam, wir kommen! 

Bruno hat für uns vier einen Ausflug gebucht: Eine Tour durch Rotterdam, mit persönlichem Reiseleiter. Alles nach unserem Plan, alles auf deutsch. Wir haben gesagt, was wir sehen wollen – schon ging’s los.  

Zuerst am breiten Rheinufer entlang zum Oude Haven. Hier alte Holzschiffe, da historische Frachtkähne. Dazu das Witte Huis, eine Jugendstil-Perle, die mit ihren 10 Stockwerken einst als erster Wolkenkratzer Europas galt. Schön, wenn man nichts nachblättern muss und alles spannend erzählt wird. 

Danach wechselten wir von der Geschichte in die Zukunft – zu den Kubushäusern. Beim Anblick dieser weißgelben schrägen Würfel verwischten oben und unten. Für jedes Haus stand ein Baum Pate. Eingang und Treppenhaus sind der Stamm, die Wohnung ist die Krone. Vor 20 Jahren wäre ich hier mit Bruno glatt eingezogen. 

Später haben wir auch einen Abstecher zur Markthalle gemacht. Wie klein man sich vor diesem riesigen Hufeisen aus Stahl und Glas fühlt. Verrückt: In den Wänden kann man wohnen. Und die Decke – das reinste Kunstwerk. Heißt „Horn des Überflusses“. Wir sind die Stände entlanggeschlendert und haben Poffertjes genascht. Das sind so kleine, dicke Pfannkuchen, von denen wir gleich noch eine Runde bestellt haben.

Nach dem Mittagessen sind wir noch einmal in Rotterdams Herz eingetaucht. Wir ließen uns die Köpfe von Wolkenkratzern verdrehen. Danach war noch einmal der Alte Hafen dran. Im Vader Kleinjan – ein reizendes Café – genossen wir beim Plaudern die Sicht aufs Hafenbecken mit den lieblichen Holzschiffen. 

Abends an Bord hatten wir eine Verabredung mit dem Sanarium. Das ist eine Sauna, die weit weniger heiß ist als ihr klassisches Pendant. Also konnten wir auch länger drin bleiben und die wohtuende Wärme mit dem Zitrusaroma genießen. Das Schönste sind die Panoramafenster. Uns konnte niemand sehen, aber wir hatten freie Sicht auf Rotterdam. Ein Träumchen! 

Tag 3 – Amsterdam

Bruno schläft ja gern lang – erst recht, wenn er so bequem schlummert wie hier. Und heute? Von wegen. Schon war er im Bad und voller Vorfreude auf den Tag. Wir nahmen Kurs auf Amsterdam. Und von unserem Fensterplatz am Frühstückstisch hatten wir beim Anlegen freie Sicht auf unser nächstes Abenteuer. 

Bruno kennt mich seit 40 Jahren und weiß um meine Liebe zum Wasser. Natürlich zählen dazu auch die Grachten, die wir bisher nur aus dem Fernsehen kannten. Also hat mir Bruno eine Grachtentour geschenkt. Nur für uns vier.

Bei dieser erkundeten wir mit einem historischen Salonboot Amsterdams Wasserstraßen. Mit Elektroantrieb. So war das Plätschern neben uns und das Leben um uns viel näher. Das Tassengeklimper in den Cafés, die Fahrradklingeln auf den Wegen. Und dann war es wieder still, und wir glitten auf den kleinen und großen Grachten entlang der majestätischen Kaufmannshäuser unter Brücken mit bunten Blumen hindurch. Dazu schönstes Frühlingsanfangswetter. 

Mein Kreuzfahrtgeschenk entpuppt sich als Paket mit vielen weiteren Überraschungen. Ich weiß nicht, wann mich je ein Geschenk so berührt hat. 

Am Nachmittag wollten Jutta und Georg lieber zum Ausflug nach Haarlem aufbrechen. Aber wir hatten noch nicht genug von Amsterdam. Unsere Ausflugsleiterin an Bord hatte uns den Beginenhof ans Herz gelegt. Vom entspannten Stadttrubel tauchten wir hinter einer Holztür in eine Oase der Stille: ein heimeliger Innenhof mit winzigen Häuschen und viel Grün. Im Mittelalter lebte hier die fromme Frauengemeinschaft der Beginen.  

Danach schlenderten wir durch den Hortus Botanicus – einer der ältesten botanischen Gärten der Welt. Wir reisten durch Dschungel und Wüste, erblickten riesige Palmen und wurden von Schmetterlingen umschwärmt. Auf einer Terrasse haben wir einen Tee getrunken und die Welt einfach Welt sein lassen. 

Dieses Gefühl hatte ich später gleich noch mal. Ich hab mir an Bord eine Massage gegönnt. Bruno hat dazu zwar auch Talent. Aber gegen die Hände der A-ROSA Masseurin hat er keine Chance. Alle Spannung wich aus mir. Und danach war ich bereit für unseren Tanz in der Panorama Lounge.

Ansicht von einer Gracht in Amsterdam mit traditionellen Häusern und Hausbooten bei bewölktem Himmel. Am Ufer sind Bäume, Fahrräder und Passanten.

Tag 4 – Nijmegen

Wie schön, wenn man den Vorhang aufzieht und wieder eine neue Stadt erblickt. Die hier ist die älteste Stadt der Niederlande. Gut 2.000 Jahre zählt sie. Da haben wir noch etwas Zeit. Überhaupt haben wir unterwegs alle Zeit der Welt. So wie beim Frühstückskaffee mit all den Leckereien auf dem Teller. Und wie bei unserem nächsten Ausflug. 

Es ging ins Herz der Hansestadt Nijmegen – diesmal wieder im Viererpack. Unser Guide führte uns durch Gassen, die man schon zu Zeiten der Römer gekannt hat. Das Kopfsteinpflaster brachte uns zum Groten Markt mit dem Alten Wiegehaus aus dem 16. Jahrhundert.  

Einen Torbogen später – die Stevenskerk. Die Tür einer Kirche zu öffnen ist für mich immer wie der Wechsel von einer Welt in eine andere. Diese bestand aus einem gigantischen Kronleuchter, einer goldschimmernden Riesenorgel und erhabener Stille. 

Historisches Zentrum von Nijmegen in den Niederlanden

Danach rief die Lange Hezelstraat nach uns. Der schönste Platz für einen Schaufensterbummel. Statt großer Handelsketten kleine Boutiquen, Antiquariate und Lädchen mit lokalen Köstlichkeiten.

Apropos: Köstlich ging’s weiter – in einer der alten Stadtbrauereien. Wir konnten Mäuschen spielen und hinter die Kulissen der Braukunst schauen. Ich finde ja, wenn man weiß, wie was entsteht und wie viel Herzblut drin steckt, schmeckt es nochmal so gut. Der beste Beweis war die Verkostung.  

Am Nachmittag zog sich der Himmel zu. Aber wozu hat man die schönen Museen erfunden? Eines davon ist De Bastei. Das liegt direkt an der Uferpromenade – ein Katzensprung vom Schiff aus. Vor allem ein Sprung durch die Jahrhunderte. Wir bewegten uns hinab in die historische Unterwelt Nijmegens. Kanonengänge und Kasematten hier, alte Festungskorrdore dort.

Dann drehten wir die Uhren noch weiter zurück und bestaunten Relikte der Römer – bis wir schließlich in der Eiszeit landeten und einem Mammutschädel gegenüberstanden. All das war auch mal Gegenwart.

Und beim Cappuccino auf der Dachterrasse reisten wir wieder voran ins Hier und Jetzt – mit der Aussicht, dass uns noch ein Tag voller schöner Erlebnisse bevorsteht. 

Tag 5 – Duisburg

Duisburg, ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich hab dich immer für eine graue Ruhrpottmaus aus Stahl und Beton gehalten. Ich wär immer an dir vorbeigefahren und hätte nie deinen Charme kennengelernt, der genau daraus besteht: aus Stahl und Beton. Und aus viel Natur. Aber der Reihe nach. 

Nach dem Frühstück sind wir – die vier Bremer Stadtmusikanten – zum Landschaftspark Duisburg-Nord gefahren. Die Leute hier nennen ihn „LaPaDu“. Das Herzstück ist ein stillgelegtes Hüttenwerk, das sich in einen Erlebnispark verwandelt hat. Spannend zu sehen, wie sich die Natur die verwitterten Hochöfen, Bunkeranlagen und alten Gießhallen zurückholt und sie mit Grün bedeckt.

Wir haben uns immer wieder auf Bänke gesetzt und diese faszinierende Mischung aus Industrie und Wildnis bewundert. Zwischendurch spazierten wir unter alten Bäumen, lachten über alte Geschichten, schmiedeten neue Reisepläne und ließen uns ein Stück Kuchen schmecken.

Begehbare Skulptur Tiger and Turtle – Magic Mountain in Duisburg

Unser Mittagessen an Bord haben wir am Buffet zum Vier-Gänge-Menü gemacht. Wir genossen uns vom Salat über die Champignonsuppe bis zum Lachsfilet mit Butterkartoffeln voran und ließen die kulinarische Verwöhnzeit mit einem Himbeer-Sorbet-Eis ausklingen.

Am Nachmittag schlenderten wir die Uferpromenade am Innenhafen von Duisburg entlang. Cafés und Restaurants. Dazu der Charme der alten Speicher. Man mag nur verweilen und den Moment genießen. Oder ein Museum für moderne Kunst erobern. Ein solches ist die Küppersmühle.

Im Innern hat man die Betonsilos aufgeschnitten. Man kann durch diese gewaltigen Dimensionen staunend hindurchschauen. Alles ist barrierefrei. Obwohl wir noch gut zu Fuß sind. Aber jede Treppe muss es auch nicht sein. Wir bummelten durch die lichtdurchflutete Hallen, begegneten hier Gerhard Richter, dort Georg Baselitz, da Anselm Kiefer. Überall revolutionäre Kunstwerke der Neuzeit, die sich tief in Kopf und Herz einprägten. 

Beim Abendessen waren wir etwas leiser als sonst. Jeder hing seinen Erinnerungen der letzten Tage nach. Und ich wollte noch nicht daran denken, dass mein Geburtstagsgeschenk morgen endet. Also haben wir den Abend zu einem neuen Geschenk gemacht.

Wir sind noch einmal in die Panorama-Lounge, rätselten beim Musik-Bingo mit und tanzten zusammen wie in alten Zeiten. Wir haben sogar die Kopfnuss des Tages geknackt und ich, die so gern Magnete sammelt, hab einen neuen mit einem A-ROSA Schiff drauf gewonnen. Eine schöne Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit auf dem nördlichen Rhein. 

Marina am Innenhafen Duisburg mit festgemachten Booten, modernen Bürogebäuden und ruhiger Wasserfläche am Morgen.

Marina at Duisburg's inner harbour with moored boats, modern office buildings and calm waters in the morning.

Tag 6 – Duisburg

Vor unserer Kabine hörten wir schon unsere Koffer rollen. Noch einmal frühstücken, noch ein Blick in die Lounge, noch mal diese tolle Urlaubsatmosphäre aufsaugen. Und dann zum Bahnhof in Duisburg. Unser Zug musste nicht pünktlich sein. Wir hatten Zeit, die zusammen noch schöner war. Und während der ICE nordwärts brauste und ich meinen Mann und meine Freunde anschaute, freute ich mich schon aufs nächste Mal. Denn diesmal hab ich an Bord das Geburtstagsgeschenk gebucht.